Skip links

Kommerz statt Herz? Happy valentines day!

Er ist wieder da: Der Tag, von dem viele behaupten, er sei überflüssig und künstlich installiert. Ähnlich wie Muttertag ist der Valentinstag ein Datum, an dem Mann vor allem sein Herz seiner Liebesten gegenüber ausschüttet. Dennoch beschleicht nicht wenige das Gefühl, dass ihnen da etwas aufgezwungen wird. Denn wer am Valentinstag das Geschenk vergisst, muss damit rechnen, dass Schatzimausi und Bärchen beleidigt sind, auch wenn es vorher stets hieß: Liebesbekundungen sind natürlich nicht an ein festes Datum gebunden, sondern dürfen und sollen gerne das ganze Jahr über die Beziehung wärmen und stärken. Kommerz statt Herz? Stimmt das wirklich? Besitzt der Einzelhandel tatsächlich die Deutungshoheit über den „Tag der Liebe“?

Vom Fest des Heiligen Valentinus zum Valentinstag

Es mag im Kontext des Tages der Liebe befremden, dass der Heilige Valentinus ein Märtyrer war. Grundsätzlich geht aber das Brauchtum für den Valentinstag, den wir heute mit allerlei Emotion begehen, auf diese Figur zurück. Bereits im Jahre 469 führte Papst Gelasius für die ganze Kirche den Gedenktag für eben diesen Heiligen Valentinus ein. Das hat auch heute noch Auswirkungen: Um den Valentinstag herum gibt es nachwievor Gottesdienste, in denen Ehepaare gesegnet werden. Das klingt eindeutig nach Herz und noch nicht nach Kommerz! Letztendlich war es im Nachkriegsdeutschland aber die Floristik- und Süßwarenindustrie, die durch verstärkte Werbung rund um den 14. Februar herum für die stetig wachsende Bekanntheit und Beliebtheit dieses Tages sorgte. Das klingt dann schon eher nach Kommerz!

Der Valentinstag gehört im Handel zu den „Big Four“

Nach Weihnachten, Ostern und dem Muttertag ist der Valentinstag ein wichtiges Datum, das sich auch beim Umsatz bemerkbar macht. Gefragt sind vor allem Parfüm, Dessous, Süßigkeiten und Schmuck, wie zum Beispiel kleine Herzchenanhänger. Auch Dekoartikel mit Rosen und Herzen werden gerne und viel gekauft. Allerdings fällt auf: Geschenkt werden vor allem kleine Aufmerksamkeiten. Bei hochpreisigen Produkten wirkt der Tag der Liebenden dagegen kaum umsatzsteigernd. Große Liebe – kleine Geschenke. Aber festzuhalten bleibt: Liebe geht eindeutig durch den Laden! Deutschlandweit setzte allein der Blumenhandel in den letzten Jahren rund um den Valentinstag zwischen 120 und 130 Millionen Euro um, so der Fachverband Deutscher Floristen.

Deutsche sind Valentinstag-Fans

Obwohl  der Trend eigentlich aus den USA kommt, scheinen auch die Deutschen mittlerweile Valentinstag-Fans zu sein. Die Zahlen sprechen für sich: Rund  58,2 Prozent der Männer gaben im Jahr 2018 an, ein Geschenk kaufen zu wollen, während es bei den Frauen  „nur“ 50,8 Prozent waren. Dabei gaben Männer auch mehr aus als Frauen, ihre Gesamtausgaben betrugen durchschnittlich 59,26 Euro. Ungefähr die Hälfte, rund 30,95 Euro, wurden dabei in Essen investiert. Und wer gedacht hat, dass die klassischen roten Rosen auf der Beliebtheitsskala ganz oben rangieren, wird eines Besseren belehrt. Nur gut 15% der Valentinsgeschenke entfallen auf die Rosengewächse; Spitzenreiter sind Schokoladen und Pralinen. Wir lernen: Liebe geht zunächst durch den Laden und dann aber doch (Gott sei Dank) noch durch den Magen.

Klassische Händler profitieren

Wie Umfragen ebenfalls zeigen, profitieren klassische Händler am stärksten vom Valentinstag. So gaben im Jahr 2018 57,2 Prozent der befragten Deutschen an, ihre Geschenke im klassischen Handel zu kaufen, während 51,8 Prozent den Onlinehandel vorziehen. Dabei kommt es vor allem im Onlinehandel zu sogenanntem „Dynamic Pricing“, also einem Preismanagement, das sich am aktuellen Marktbedarf orientiert. So habe allein am Valentinstag 2015 der Online-Händler Amazon die Preise von mehr als einer Millionen Produkte geändert, heißt es von der Marktforschungsfirma Metoda.

Ergebnis?

Kommerz statt Herz? Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Solange es Menschen gibt, die ihre Liebsten auch jenseits von Valentinstag und Co. mit kleinen Aufmerksamkeiten eine Freude machen, steht dem Bedürfnis, auch am werbewirksamen Tag der Liebe seinem Herz(-ensgefühl) durch Kommerz Ausdruck zu verleihen, nichts im Wege. In diesem Sinne: Happy valentines day!

 

 

 

An Unterhaltung teilnehmen