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Geiz war geil – Discounter weniger gefragt

Zulauf bei Edeka und Rewe, leere Gänge bei den Discountern. Die Discounter sind im Gegensatz zu den Lebensmittelhändlern wie Edeka und Rewe nicht mehr so gefragt. Qualität und Transparenz gehen vor Preis

Regionalität, Qualität, Bio, Transparenz, Wohlfühlatmosphäre – das sind die Begriffe, die mehr und mehr den Lebensmittelhandel bestimmen. Dabei geht es nicht mehr nur um Floskeln. Kunden legen vermehrt Wert darauf, zu wissen, woher ihre Produkte stammen und dass sie vernünftig erzeugt wurden. Die einstige Priorität des Preises rückt in den Hintergrund. Und so verwundert es nicht, dass die Discounter verschiedenen Umfragen und Studien zufolge ihre Macht verlieren und die Handelsketten wie EDEKA, Rewe oder auch Kaufland Zuspruch gewinnen.

 War breite Aufstellung der falsche Weg?

Aldi, Lidl oder Penny haben es wohl selbst verschuldet, dass ihr Wachstum im vergangenen halben Jahr im Gegensatz zu den Lebensmittelhändlern zurückgegangen ist. Das Handelsblatt zeigt Prognosen des Marktforschers Edge by Ascential auf, demnach der Umsatz der Discounter in Deutschland 2019 zwar um 1,9 Prozent wuchs – der der selbstständigen Kaufleute hingegen um 9,1 Prozent. Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung ähneln den Prognosen.

Als Grund sehe man beispielsweise die Verbreiterung der Strukturen der Discounter. Lidl und besonders Aldi Nord haben mit umfangreichen Marktmodernisierungen ihr Aussehen verändert. Auch die Integration zahlreicher Markenartikel hat das Sortiment und somit die Aufgaben verbreitert. Sie haben Bioartikel aufgenommen und Conveniencesparten eingerichtet – alles um eine breiteres Publikum anzusprechen. „Aber das erhöht zugleich die Komplexität des Geschäftssystems“, sagt Boris Planer, Chefökonom des Marktforschers Edge by Ascential im Handelsblatt. Und eben das triebe die Kosten in den Himmel und verringere die Margen.

Die Prioritäten ändern sich

Nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung stellt die Mehrheit der Konsumenten die Qualität (55 Prozent) und nicht den Preis (45 Prozent) in den Vordergrund. Das mache sich am deutlichsten im Bereich des Fleisches bemerkbar. Hier ist die Nachfrage nach der Regionalität und auch nach Bio stark gestiegen.

Darüber hinaus bewirken die niedrige Arbeitslosigkeit und steigende Löhne die Bereitschaft, den einen oder anderen Euro mehr auszugeben.

Fleischtheke

Preiskampf augeweitet

Nun, da auch die Discounter die Marken ins Sortiment brachten, ufert auch der Presikampf aus. Vorher hatten Lidl, Aldi und Co. mit ihren Noname-Artikeln untereinander Preise niedrig gehalten. Nun aber haben sie mit den anderen Handelsketten um Rewe und Edeka weitere Konkurrenz erhalten. Lionel Souque, Chef der Rewe-Group betonte auf der Jahrespressekonferenz: „Wir werden keine Preisführerschaft von Aldi bei Markenartikeln zulassen.“ Das heißt konkret, dass sobald Aldi einen Preis senke, die anderen mitziehen werden. Die früher so erfolgreiche „Günstiger als bei uns gibt es nirgendwo sonst“-Masche zieht nicht mehr.

Kurzfristiges Handeln wie in der Bundesliga

Läuft es bei einem Verein nicht rund, ist es in der Fußballbundesliga Usus geworden, zunächst einen neuen Trainer einzustellen. Die vermeintliche Misswirtschaft mit der Verbreiterung des Geschäftssystems versuchte man scheinbar ähnlich Herr zu werden. So ist der Lidl-Chef kürzlich abrupt ausgestiegen – nach gerade einmal zwei Jahren Amtszeit. Interimsboss ist derzeit der Italiener Ignazio Paterno. Ebenso wechselte Aldo Nord Marc Heußinger aus, der nur zu schnell durch Thorsten Hufnagel von Position zwei auf eins rutschte.

Geiz ist geil liegt aktuell gar nicht im Trend. Die Transparenz, Tierwohl, Einkaufsatmosphäre machen den Handel mehr aus, denn je.

Titelbilder: © Peeradontax / Shutterstock.com (Rewe), defotoberg / Shutterstock.com (Lidl, Aldi), Sorbis / Shutterstock.com (Edeka)

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