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“Bio liegt mir am Herzen” – Interview mit Dinkelsbühls Naturkind-Inhaber Rüdiger Ammon

Dinkelsbühl, Am 10. Oktober öffneten die ersten Naturkind-Filialen in Dinkelsbühl und Hamburg. Damit präsentiert EDEKA ein neues Verkaufskonzept und reagiert auf die stetig wachsende Nachfrage an natürlichen Biolebensmitteln. Der studierte Handelsfachwirt Rüdiger Ammonm, Inhaber des Dinkelsbühler Marktes, gibt „einzelhandelaktuell.de“ ein Statement zur Eröffnung, berichtet über seinen Weg nach Dinkelsbühl und gibt Einblicke in die Naturkind-Philosophie.

Herr Ammon, am 10. Oktober haben Sie einen der ersten Naturkind-Märkte Deutschlands offiziell eröffnet. Wie wird das Konzept angenommen?

Die ersten Tage sind erfolgreich verlaufen und die Akzeptanz bei den Kunden ist sehr gut. Wir stellten fest,  dass es für viele besonders wichtig war, zu erfahren, dass es sich nicht um eine „Kette“ handelt, sondern dass die Märkte von selbständigen Kaufleuten betrieben werden, die mit der Region verbunden sind und auch Ihrer sozialen Verantwortung gerecht werden. Das bieten wir als Inhaber, Mitarbeiter und auch mit unseren Partnern.

       

Sie selbst sind bereits seit sechs Jahren in Dinkelsbühl und führen im Ort gleich zwei Lebensmittelmärkte. Mit dem neuen Naturkind-Markt setzten Sie nun einen weiteren Meilenstein. Würden Sie sich selbst als Senkrechtstarter bezeichnen?

Nein, das würde ich nicht, denn es gab während meiner Laufbahn im Einzelhandel einige Hürden, die ich überwinden musste. Bereits mit 15 war ich in einem Supermarkt als Aushilfe tätig, auch noch während meines BWL-Studiums, welches mir letztendlich zu theorielastig war. Mein damaliger Chef schlug mir als Alternative das Abiturientenprogramm Handelsfachwirt vor, das ich im Jahr 2007 auch startete. Während des dualen Studiums war ich sowohl in der Firmenzentrale als auch in verschiedenen Märkten tätig und habe viel gelernt. Schon während des Studiums war ich bei einem selbstständigen Einzelhändler als Markleiter in Einarbeitung tätig. 2011 wechselte ich als Marktleiter in einen neu entstandenen Markt mit der Aussicht auf Übernahme des Marktes. Ich war Feuer und Flamme, doch am Ende bekam ein anderer Einzelhändler den Zuschlag. Da machte sich eine gewisse Enttäuschung bei mir breit, denn ich hatte mich schon als Marktinhaber gesehen.

Wenig später hat es in Dinkelsbühl dann doch geklappt. Wie kam es dazu?

Die Ausschreibungen für Marktübernahmen seitens der Zentrale laufen ständig und in einer Zeit, wo ich gar nicht unbedingt offensiv gesucht habe, habe ich von einer vertrauten Person den Tipp bekommen, mich für Dinkelsbühl als Marktinhaber zu bewerben. Das habe ich dann auch getan und bis heute nicht bereut. So bin ich also vor sechs Jahren mit Sack und Pack nach Dinkelsbühl gezogen und habe einen neu gebauten Markt im Ort übernommen. Letztlich hatte ich sogar doppeltes Glück und durfte zusätzlich noch einen bereits bestehenden Markt mit übernehmen. So war ich auf einen Schlag zweifacher Marktinhaber. Es war also die richtige Entscheidung. Ich fühle mich in Dinkelsbühl wohl, die Leute hier sind geradeheraus und es herrscht ein Gemeinschaftsgefühl. Ideale Bedingungen also, um zu leben und zu arbeiten.

So ideal, dass Sie jetzt einen weiteren Schritt gegangen sind und mit dem neuen Naturkind-Markt ins reine Bio-Geschäft einsteigen.

Das Thema Bio und alles, was dazugehört, liegt mir schon immer am Herzen.

In meinen beiden Märkten vertreibe ich zahlreiche Bio-Artikel, allerdings sind dort die Möglichkeiten irgendwann ausgeschöpft. Bereits vor einigen Jahren ist bei mir daher der Gedanke gewachsen, den Menschen hier einen Biofachmarkt zur Verfügung zu stellen.

Mit Ihrem Biomarkt Grüne Emma an der Ellwanger Straße hatten Sie diesen Gedanken bereits im April vergangenen Jahres in die Tat umgesetzt, sich aber aus dem Tagesgeschäft vollkommen rausgehalten. Nun gehen Sie mit Naturkind unter Ihrem guten Namen ins Rennen. Warum?

Es ist das Bio-Fachmarktkonzept, dass mich an Naturkind reizt. Aufgrund der kleinen Verkaufsfläche und dem übersichtlichen Sortiment rückt die Kundenbetreuung und -beratung hier wieder stärker in den Fokus. Der Bio-Fachmarkt ist somit wieder mehr als Begegnungsstätte oder Marktplatz zu  verstehen. Wir als Kaufleute erhalten dadurch die Möglichkeit, wieder verstärkt unsere verkäuferische Leistung zum Ausdruck zu bringen und damit dass zu tun, was uns am Lebensmitteleinzelhandel begeistert. Bei der Grünen Emma habe ich lediglich als Ladenbesitzer fungiert. Ein von mir eingestellter Geschäftsführer hat sich um den Markt gekümmert und ich habe mich aus dem Tagesgeschäft komplett rausgehalten. Unter den Kunden hat sich trotzdem relativ schnell herumgesprochen, dass die Grüne Emma zu Ammon gehört und dementsprechend kam eine gewisse Erwartungshaltung auf. Immer wurden Vergleiche zu meinen Märkten hergestellt, denen die Grüne Emma nicht standhalten konnte. Es waren gravierende Abweichungen da und mein Name kam immer wieder ins Spiel. In dieser Form konnte es nicht weitergehen und so kam das Pilotprojekt Naturkind unter meiner Geschäftsführung genau zur rechten Zeit.

Es gingalso quasi bei Null am alten Standort in der Ellwanger Straße los. Wie ist der neue Naturkind-Markt in Sachen Philosophie, Personal und Produkte aufgestellt ?

Der neue Naturkind-Markt ist jetzt in meiner Hand und ich stehe mit meinem Namen dahinter. Daher wollen wir die Stärken, die die Kunden aus den EDEKA-Ammon-Märkten kennen und schätzen, natürlich auf diesen reinen Biomarkt projizieren. Dazu zählen vor allem die Punkte Frische, Qualität und Kundenfreundlichkeit. Personaltechnisch ist zu sagen, dass mit Jonas Hartmann eine Nachwuchs-Führungskraft die Leitung des Marktes übernommen hat. Herr Hartmann war einige Jahre in meinen Märkten tätig und hat somit viel Erfahrung. Die ehemaligen Mitarbeiter der Grünen Emma werden wir übernehmen. Wir arbeiteten sie zunächst in meinen Märkten ein und vermittelten ihnen unsere  Vorstellungen. Mit der Eröffnung sind sie nun voll und ganz im Naturkind aktiv. Unser Hauptlieferant ist der Bio-Großhändler Naturkost-West. Dazu kommen neben der Dorfkäserei Geifertshofen, Rapunzel Naturkost, Espressone, der Kiebitzhof, die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall und natürlich noch viele weitere. Auch für neue Zulieferer werden wir in Zukunft immer offen sein.

Herzlichen Dank

Sehr gerne.

 

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